Bild: Klaus Dieker

Ibrahim Yetim stellt „Hände reichen“ eine Kunstaktion der Jungendwerkstätten des SCI:Moers vor.

Ibrahim Yetim kam am letzten Freitag in die Barbaraschule des SCI:Moers und wurde dort schon von den Jugendlichen aus den SCI Werkstätten erwartet. Zum ersten Mal hatten sie ihre Skulptur „Hände reichen“ im Gruppenraum aufgebaut, um sie gemeinsam mit Ibrahim Yetim als  Vorsitzenden des Vereins: DEMOKRATIE UND TOLERANZ LEBEN e. V. der Öffentlichkeit vorzustellen.

Wie kam es zu der Idee „Hände reichen“, die dann mit Hilfe des neugegründeten Vereins realisiert wurde? Frederik Göke, Projektleiter beim SCI: „Die Aufgabenstellung war, wie können wir unsere Überzeugungen,  unsere Wünsche für die Zukunft,  unsere Sehnsüchte am besten ausdrücken? Und plötzlich war die Idee im Raum: Mit unseren Händen!“ Hände, keine ist wie die Andere, jede erzählt ihre Geschichte, Hände sind weltumspannend das nonverbale Ausdrucksmittel über alle Schranken hinweg. Gesten sind  in der Lage Hass und  Aggression zu schüren und ebenso kann man einander trotz allem die Hand zur Versöhnung reichen.

Die Jugendlichen des SCI haben ihre eigenen Hände genommen, ihre Umrisse in rund 70 Ausdrucksformen und Gesten auf Holzplatten aufgebracht, ausgesägt,  gemeinsam farblich gestaltet und mit ihren Wünschen versehen. Frank Liebert vom SCI: „Ich bin sehr beeindruckt über das Engagement, das unsere Jugendlichen hier eingebracht haben. Da hat keiner auf die Uhr geschaut und auch unsere Gäste aus Italien, die Jugendlichen aus St. Anna di Stazzema / Pietrasanta  waren sofort dabei. Lange wurde überlegt, in welcher Form  die Hände zu einer Skulptur miteinander verbunden werden können. Hans Georg Giesen und Dirk Vier, Ausbilder beim SCI: „Wir haben uns gemeinsam für diese beiden miteinander verbundene Würfel entschieden und dann Zuordnungen überlegt, wie die einzelnen Hände zueinander in Beziehung gesetzt werden können.“  „ Erst einmal haben wir mit Klebebändern die Hände provisorisch befestigt und ihre Wirkung ausprobiert, bevor sie dann fixiert wurden.“

Auch wenn die Jugendlichen sich noch etwas schüchtern für ein Foto und für die Kamera gemeinsam mit ihren Ausbildern, mit Frank Liebert, Ibrahim Yetim und dem Projektleiter Frederik Göke um ihre Skulptur herum gruppierten, so brauchten sie doch nichts zu sagen, ihre Hände sprachen für sie und drückten aus, wofür sie stehen.

Die Skulptur „HÄNDE REICHEN“ ist mobil und  kann auf Reisen gehen. Erste Station ist die Moerser Stadtkirche am Sonntag 02. Februar. Dann wird  Pfarrer Torsten in seinem Gottesdienst um 10.00 Uhr an den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die sowjetischen Truppen erinnern. Die Jugendlichen des SCI:Moers werden dann ihre Skulptur in den Gottesdienst einbringen. Aus Köln kommt das Ensemble „Tangoyim“ und wird den Gottesdienst  mit drei jiddischen Liedern musikalisch gestalten. Mit dabei das Lied „Dos Kelbl“, aus den Jahren 1941/42, als in Litauen die jüdische Bevölkerung deportiert wurde: „Warum bist Du auch ein Kälbchen, lässt dich leicht binden, jetzt liegst du wehrlos vor deinem Schlachter, warum hast du auch keine Flügel und  bist keine Schwalbe, die hoch hinauf in die Freiheit fliegt“.